Rainer Helmke ist Beisitzer des Jugendvorstandes des DlRG Wedel und hat sich netterweise für mich Zeit geneommen.

Was Ist das Besondere an deiner Arbeit? 

Das Besondere an meiner Arbeit ist, dass ich das Gefühl habe, etwas Nachhaltiges zu tun, denn wenn ich Kindern Schwimmen beibringe, haben die Kinder die große Chance, nicht nur für ihr Leben Spaß im und am Wasser zu haben, sondern auch als Unfallvorbeugung Schwimmen zu lernen, damit sie nicht so schnell ertrinken. 

Das Besondere an meiner Arbeit ist auch, dass ich nicht nur Schwimmen beibringe, sondern auch Leben rette und auch Menschen, die nie Schwimmen gelernt haben, helfen kann. 

Wie war die DLRG an der Flüchtlingshilfe beteiligt? 

Die DLRG Wedel ist im Rahmen des Katastrophenschutzes in der Flüchtlingshilfe eingesetzt worden. Wir haben im Krankenhaus Wedel die Flüchtlinge betreut. 

Wie unterschiedlich sind die Reaktionen von Menschen, denen ihr geholfen habt? 

Sich helfen zu lassen ist manchmal eine Sache von Größe und das ist für manche Menschen peinlich. Wenn jemand ins Wasser gesprungen ist, aus Unachtsamkeit die Tiefe nicht bedacht hat und sich verletzt hat, dann ist das Dummheit und diese Dummheit wurde in diesem Moment bestraft. Wenn wir dann auch noch in dieser Wunde, die er sich selbst geschaffen hat, herumbohren und sagen: “Mensch, das musst du doch wissen. Man kann nicht in flaches Wasser reinspringen”, dann kann es durchaus sein, dass die Person ziemlich aggressiv reagiert und patzig ist. Aber in der Regel sind die Menschen dankbar für die Hilfe, die wir ihnen haben zukommen lassen. 

Was erwartest du für die Zukunft der DLRG? 

Ich möchte, dass das Ehrenamt von der Bevölkerung wertgeschätzt und von der Gesellschaft gefördert wird. 

Falls ja, wie hat Corona der DLRG geschadet? 

Während der Corona-Zeit war es sehr schwer, Kindern das Schwimmen beizubringen, da die Schwimmbäder geschlossen waren. Dadurch ist es durchaus möglich, dass eine ganze Generation nicht Schwimmen gelernt hat. Wir sind jetzt dabei das aufzuholen mit Crash-Kursen in den Sommerferien. Aber es werden immer einige auf der Strecke bleiben und das sind vielleicht die späteren Badetoten. 

Habt ihr genug Nachwuchs oder machen die meisten Kinder nur die Schwimmkurse und hören dann auf? 

Bei der Wassergewöhnung und beim Schwimmenlernen bis zum Seepferdchen sind die Wartelisten alle voll. Je fortgeschrittener die Kurse sind und je anspruchsvoller die Leistung ist, die angefordert wird, desto weniger werden es. Aber unser Ziel ist es, die Kinder für uns zu gewinnen und zu begeistern, damit sie dabei bleiben und selber irgendwann unterrichten, vielleicht Wachdienst machen und im Katastrophenschutz mitwirken. 

Was ist die größte Schwierigkeit für der DLRG?  

Es wird sehr auf die Freiwillige Feuerwehr geachtet, weil sie etabliert ist und auch entsprechend von der öffentlichen Hand gefördert wird. Die DLRG war bis vor kurzem nicht im Katastrophenschutz eingegliedert. Das ist erst jetzt der Fall und nun muss ein Umdenken in der Politik stattfinden und das ist schwierig, weil so viele Organisationen auf dem Wasser Rettungsarbeit leisten. Dann ist die DLRG nur eine von vielen und wir müssen uns auf dem Wasser behaupten. Doch beim Schwimmunterricht, da hoffe ich, dass wir an erster Stelle stehen. 

 Was würdest du Jugendlichen raten, die Rettungsschwimmer werden wollen? 

Dran bleiben. 

Warum sollte jedes Kind Schwimmen lernen? 

Solange die Kinder Kinder sind und im Urlaub mit den Eltern an ein Gewässer fahren, ist es für alle entspannter zu wissen, wenn die Kinder schwimmen können. 

 Sind alle Bademeister von der DLRG? 

Nein, Bademeister ist ein Lehrberuf, den man drei Jahre erlernt und die DLRG wird oft zur Unterstützung der Badeaufsicht mit dazu gebeten. Dort gibt es aber auch wieder das Problem, dass alles ehrenamtlich ist. Ansonsten müssten wir als Honorarkräfte arbeiten, aber das Honorar würde dann die DLRG bekommen und nicht die Mitglieder. Nur an der Nord- und Ostsee sind die Bademeister immer von der DLRG. 

Was magst du am meisten an der DLRG? 

Die Nähe zu den Menschen. 

Vielen Dank für das Interview! 

 

DLRG

DLRG steht für Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Die DLRG wurde 1936 gegründet. Sie hat drei Hauptaufgaben: Sie bringt Kindern schwimmen bei und rettet Menschen. Außerdem ist sie am Katastrophenschutz beteiligt. Die DLRG Wedel wird ausschließlich von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuschüssen finanziert. Die DLRG bietet auch Sanitäts- und Erste-Hilfe Kurse an.

Am Strandbad Wedel hat die DLRG eine Rettungswache mit einem Sanitätsraum, obwohl Baden dort eigentlich verboten ist. Sie ist von Freitag, 20:00 Uhr bis Sonntag, 18:00 Uhr durchgehend belegt. Außerdem hat die DLRG Wedel eine SEG (Schnell- Einsatz-Gruppe) für die Personenrettung. Sie ist 24 Stunden am Tag unter dem Notruf 112 zu erreichen. Außer ist die SEG für Suchaktionen, medizinische Hilfeleistungen, technische Hilfeleistungen und Bootsbergungen zuständig. Sie steht in engem Kontakt mit der Feuerwehr und dem THW (das Technische Hilfswerk). 

Das stillgelegte Krankenhaus Wedel ist die Flüchtlingsaufnahmestelle für den Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. 

Die DLRG hat auch einen Jugendvorstand. Ab 15 Jahren darf man Rettungsschwimmer werden, weil man mit 15 das Rettungsschwimmabzeichen Silber machen kann, das man braucht, um Rettungsschwimmer zu werden. Allerdings fühlen sich manche Erwachsene gedemütigt, wenn Jugendliche ihnen helfen. Und Vorsicht, solange du noch kein professioneller Rettungsschwimmer bist, solltest du nie versuchen, einen Erwachsenen zu retten, sondern Hilfe holen, denn die panischen Erwachsenen ziehen dich unter Wasser. Der DLRG Wedel hat insgesamt 500 Mitglieder und alle arbeiten ehrenamtlich. 

Für die DLRG Schwimmkurse muss man manchmal eine Aufnahmeprüfung machen. Für den Schwimmlernkurs aber nicht. Die DLRG teilt ihre jugendlichen Schwimmer in Kurse ein, damit man mit gleichguten Schwimmern schwimmern kann. Um die Jugendlichen für die DLRG zu begeistern, bietet die DLRG Freizeitaktivitäten, Ausflüge, Wettkämpfe und Veranstaltungen an. Mit dem Jugendschwimmabzeichen Bronze kann man offiziell schwimmen. 

von Lara Weihofen